Stand: 30.11.2009
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Hochtouren

Im Sommer 2008 standen die Ortlergruppe und die Waliser Alpen auf dem Programm. Verschlug es den Autoren alleine nach Südtirol, so suchte er sich für die Schweizer Alpen einen Experten für höchst ambitionierte Unternehmungen. Aber zunächst Südtirol:

Ortlergruppe

Im Juni war der Schnee über 2500 m noch recht hoch. Zudem war der Ortler, mein eigentliches Ziel, trotz sonst gutem Wetter ständig wolkenverhangen. Daher entschied ich mich nur etwas zu bergwandern, unter anderem auf die Hohe Angelusspitze. Auf eine Skitour war ich nicht eingerichtet und Schneeschuhe nahm ich auch nicht mit. Da ich um 4:00 Uhr von Sulden aus aufbrach, hoffte ich, daß der Schnee lang genug gefroren bleiben würde. Diese Rechnung ging zunächst auch auf. Aber bereits gegen 9:00 Uhr war der Schnee so weich, daß das Weitersteigen sich äußerst verlangsamte. In Sichtweite der Spitze kehrte ich schließlich um und hatte zuletzt das Vergnügen ständig bis zur Hüfte einzubrechen. Für die letzten wenigen hundert Meter bis zur Düsseldorfer Hütte brauchte ich über eine Stunde. Zeitweise half nur noch ein Robben über die Schneefläche. Nach Sulden wieder zurückgekehrt war die Entscheidung gefallen, den Rest des Urlaubs im Tal zu verbringen.

Walliser Alpen

Gegen Ende des Sommers wagte ich es, meinem Kletterpartner Oliver einen Vorschlag für eine kleine Hochtour an einem verlängerten Wochenende zu machen. Ich wurde zurechtgewiesen, daß solch ein Ziel (ich wage es nicht, dieses hier zu benennen) überhaupt nicht in Frage komme, und wenn auch nur fünf Tage einschließlich An- und Abfahrt zur Verfügung ständen, so könne man trotzdem die Fahrt etwas ambitionierter gestalten.

Sein Vorschlag war schlicht und ergreifend drei Viertausender in den Walliser Alpen innerhalb dieser fünf Tage zu besteigen. Ich stimmte zu, obwohl ich einwand, daß die fehlende Akklimatisation uns wohl doch schwer zu schaffen machen werde. Hier wurde mir schlicht (und nicht so ganz ernst) entgegen gehalten, daß wir uns mit den gegangenen Metern schon akklimatisieren würden.

Um die Tour nicht komplett zur Tortur werden zu lassen, einigten wir uns mit Breithorn und Allalinhorn auf die vielleicht leichtesten Viertausender der Alpen. Leicht sind sie vor allem, weil der Zustieg dank moderner Transportmittel beträchtlich verkürzt werden kann. Sollte es zeitlich bzw. wettertechnisch hinkommen, wäre auch noch der Weissmies in Angriff zu nehmen.

Gesagt, getan. An einem Freitag nach Anbruch des Feierabends fuhren wir in gut acht Stunden von Essen nach Saas Grund und schlugen unsere Zelte gegen Mtternacht auf, um sieben Stunden später auf dem Weg nach Zermatt zu sein. Ziemlich müde bemerkten wir den beträchtlichen Höhenunterschied bereits in der Gondel auf den Weg zum Kleinen Matterhorn. Zu meiner Verwunderung spürte ich auf den ersten paar hundert Metern keinerlei Beeinträchtigung, was mich dazu veranlaßte das Tempo deutlich zu erhöhen. Ein Fehler wie sich alsbald herausstellte. Ab einen gewissen Punkt war der Aufstieg nur noch ein einziger Kampf. Die Muskeln taten zwar nicht weh und auch die Atmung war nicht sonderlich erhöht, dafür aber war der Puls nicht mehr von dieser Welt. Auf dem Gipfel angekommen machten wir kurz zwei Bilder und stiegen sofort wieder ab.

(Wie sich später herausstellte, hatten wir tatsächlich nur ein Bild gemacht und hierbei war der Photoapparat wer weiß wo hingehalten worden. Ich begann mir Gedanken über Nebenwirkungen unserer Tour zu machen.)

Ging der Abstieg noch recht zügig, so spotteten die letzten Meter vor der Bergstation der Seilbahn auf ebenen, festen Boden jeglicher Beschreibung. Jede altersschwache Oma hätte uns mit Leichtigkeit überholt und wahrscheinlich aus Mitleid ihre Hilfe angeboten. Einigermaßen normal ging es uns erst wieder in Zermatt.

Am nächsten Tag legten wir eine Pause ein und mußten daher den Weissmies aus dem Programm nehmen. Der Körper forderte seinen Tribut.

Am Montag ging es dann Richtung Allalinhorn. Mit der Bahn von Saas Fee aus bis zum Mittelallalin und von dort aus den Menschenmassen folgend auf den Normalweg. Wie ein bekannter Führerautor meinte, wäre die Überschreitung der Skipiste der gefährlichste Teil der Tour. Diese Aussage ist nicht vollkommen abwegig.

Nach der Skipiste seilten wir uns an und folgten der Herde. Bis hinauf zum Feejoch wurden wir hierbei durch die dröhnende Musikanlage der Skipiste "unterstüzt". Zu unserer Erleichterung hatten wir uns nicht nur körperlich erholt, sondern waren auch offentsichtlich bereits gut akklimatisiert. Das Wetter war gut und die Aussicht prächtig. Trotz des großen Andrangs wurde es erst auf dem Gipfel richtig eng. Da dieser aber in eine Wolke getaucht war, ließen wir das Gipfelkreuz "links liegen" und stiegen zügig wieder ab.

Zurück in Saas Fee widmeten wir uns nun der Gastronomie und konstatierten, daß auch der Verbleib im Tal durchaus seinen Reiz haben kann.

Am nächsten Tag erfolgte in Ruhe die Rückfahrt.