Wer keinerlei Kontakt zum Bergsteigen bzw. Sportklettern hat, sich hierfür aber interessiert, steht meist vor dem
Problem, den richtigen Zugang zu finden.
Der richtige Zugang? Das heißt zuächst, in den grundlegenden Sicherungstechniken ausgebildet zu werden. Den ersten Kontakt
zu den klassischen alpinen Sportarten mag ein "Schnupperkurs" sein, bei welchem unter fachkundiger Leitung
die Sportart ausprobiert werden kann. Möchte man aber in die Sportart einsteigen, so beginnt dies mit der Erlernung
der Sicherungstechnik.
Eine wichtige Frage steht ganz am Anfang. Für welche der alpinen Sportarten interessiert man sich? Im
folgenden soll grob zwischen zwei Bereichen unterschieden werden: Dem Bergsteigen mit all seinen Spielformen -
Bergwandern (einschl. Klettersteigen), Hochtourengehen, alpines Fels- und Eisklettern, Skibergsteigen -
sowie dem Sportklettern an künstlichen Kletteranlagen und in den Mittelgebirgen. Letzteres unterscheidet sich vom
alpinen Klettern in den grundlegenden sicherungs- und bewegungstechnischen Fertigkeiten freilich nicht. Ein alpiner
Kletterer wird in der Regel auch immer ein Sportkletterer sein und sei es auch nur aus trainingsbedingten Gründen.
Grundsätzlich wird im folgenden also anhand der "Sportstätte" unterschieden: Mittel- bzw. Hochgebirge. Somit könnte auch das
in den letzten Jahren in Mode gekommende Sporteisklettern in Talnähe dem skizzierten Bereich des Sportkletterns zugerechnet
werden.
Bergsteigen und Sportklettern im genannten Sinne schließen sich natürlich keinerlei aus. Da aber ein großer - wenn
nicht gar der überwiegende - Teil der heutigen Kletterer keine Ambitionen hegt, das Hochgebirge aufzusuchen, wird
dies in diesem Artikel auch berücksichtigt.
Neben Neugier, ein bißchen Ehrgeiz sowie einer guten Auffassungsgabe ist natürlich die körperliche Konstitution
ausschlaggebend. Wie bei fast allen anderen Sportarten auch ist ein gesundes Herz-/Kreislaufsystem unabdingbar sowie
in Bezug auf das Hochgebirge eine gute Kondition. Hingegen sind andere Faktoren wie Maximalkraft, Kraftausdauer,
Beweglichkeit oder Koordination am Anfang bei weitem nicht so wichtig wie der Laie zumeist vermutet. Auch der schwache Kletterer kann durch Auswahl der entsprechenden Routen sein Erfolgserlebnis erhalten.
Somit ist der Klettersport bzw. das Bergsteigen auch bis ins hohe Alter möglich.
Natürlich gilt das gesagte nicht für den leistungsorientierten Kletterer, hier können im Gegenteil die Anforderungen
äußerst extrem werden.
Da man beim Steigen oder Klettern sein eigenes Gewicht "heben" muß, spielt das Körpergewicht eine nicht zu
unterschätzende Rolle. Ein zu großes Übergewicht stellt entsprechend einen großen Nachteil dar.
Zuletzt sollte der Kletterer oder Bergsteiger natürlich auch schwindelfrei sein. Das Auftreten von Angst in ungewohnter
Höhe bzw. an ausgesetzten Stellen ist allerdings normal und läßt sich durch Training minimieren. Davon zu unterscheiden
ist die krankhafte Höhenangst (Akrophobie).
Was viele verblüfft, wenn sie davon zum ersten Mal hören, sind die gesetzlichen Bestimmungen, welche die Ausbildung
im Bereich Bergsteigen bzw. Sportklettern regeln: Es gibt in Deutschland bis auf die Bayerische Bergschulverordnung keine!
Und letztere bezieht sich nur auf die gewerbliche Tätigkeit im Mittel- und Hochgebirge, also nicht in künstlichen Kletteranlagen und bei
ehrenamtlichen Engagement.
Grundsätzlich darf jeder, welcher sich dazu berufen und geeignet
fühlt, andere ehrenamtlich oder kommerziell ausbilden. Einzige Ausnahme ist wie gesagt die kommerzielle (!) Ausbildung (sowie das
Führen gegen Entgeld) im bayerischen Gebirge, welche den staatlich geprüften Bergführern und deren Hilfskräften vorbehalten ist.
In den anderen Alpenländern gibt es ähnliche Bestimmungen, welche sich aber immer nur auf die gewerbliche Tätigkeit beziehen.
(Anmerkung: Dieser Zustand sollte auch durchaus beibehalten werden. Trägt er doch der Eigenverantwortlichkeit des
Sportlers Rechnung und läßt in unserer heutigen bürokratischen Gesellschaft dem Einzelnen noch einen Rest an Freiheit.
Aber viel wichtiger ist der Einwand, daß durch eine Reglementierung der Ausbildung mitsamt der Vergabe von
Ausbilderlizenzen, sowohl dem Kursteilnehmer als leider auch dem lizenzierten Ausbilder eine unzutreffende Einschätzung
bzw. Selbsteinschätzung des Könnens des Ausbilders
vermittelt wird. Die unterschiedliche Qualität an Übungsleitern, welche die alpinen Vereine hervorbringen,
spricht Bände. Besonders katastrophale Ergebnisse konnten hierbei insbesondere im Sportkletterbereich beobachtet
werden. Qualifikation wird leider wie so oft mit Zertifizierung verwechselt. Daß die Änderungen, welche 2008 vom größten Verband hier vorgenommen
wurden eine Verbesserung bringen werden, ist nicht zu erwarten. Aus Erfahrung bin ich skeptisch.)
Somit finden sich die unterschiedlichsten Anbieter: Bergschulen bzw. Bergführer, alpine Vereine, Sportbünde,
Kletterhallenbetreiber, Reiseveranstalter und nicht zuletzt erfahrene Privatpersonen.
Grundsätzlich ist es empfehlenswert zunächst einen Grundkurs zu absolvieren und sich dann einem erfahrenen Kletterer
und/oder Bergsteiger anzuschließen. Nach der fundierten Grundausbildung kann dann von der Erfahrung des Seilpartners
profitiert werden. Ergänzt werden kann dies durch das Studium der aktuellen Fachliteratur und gelegentliche weitere
Fortbildungen in Form von Kursen.
Man kann nun auf den Gedanken verfallen, sich komplett durch den erfahrenen Bekannten ausbilden zu lassen. Und es
gibt sicherlich viele Bergsteiger, welche dieser Aufgabe gewachsen wären, aber es ist schlichtweg nicht zumutbar,
dies zu verlangen. (Entsprechende Freunde oder Verwandten seien hier ausgenommen, wer aber solche besitzt, wird diesen
Artikel wohl kaum benötigen.) Zudem stellt sich die Frage, wie der Anfänger ohne jegliche Vorkenntnisse einschätzen will,
wie erfahren jemand ist. Im Gegensatz zu ständigen Anbietern können die Betroffenden zumeist nicht auf Referenzen verweisen.
Aufgrund der Gesetzgebung sowie dem zuvor Gesagten kommen in der Regel nur staatlich geprüfte Bergführer und ehrenamtliche
Übungsleiter der alpinen Vereine als auch der Sportbünde in Frage. Da nicht nur die Qualität der Übungsleiter erheblich
schwankt, sondern gemessen an der Zahl der Mitglieder ihre Anzahl für die Hochgebirgsausbildung (insbesondere des alpinen
Felskletterns) recht gering ist, bleibt in der Regel nur die Empfehlung sich an staatlich geprüfte Bergführer zu wenden.
Diese haben im Vergleich zu ehrenamtlichen (Fach-)Übungsleitern nicht nur eine gründlichere Ausbildung, sondern verfügen
berufsbedingt auch über einen weitaus größeren Erfahrungsschatz. Aber auch Bergführer sind keine Übermenschen! Dies
macht auch ein Blick in die entsprechende Prüfungsordnung deutlich. Nicht nur, daß die geforderten klettertechnischen
Fähigkeiten nicht mit der Zeit gegangen sind, auch handelt es sich nicht - wie von manchen Bergführern suggeriert - um eine
jahrelang andauernde Ausbildung im Sinne eines Lehrberufes oder der Ausbildung zum Diplom-Sportlehrer. Die Mindestzahl der
Unterrichtsstunden einschließlich Praktikum beträgt lediglich 600, dies entspricht etwa 75 Tagen (siehe "Ausbildungs- und
Prüfungsordnung für Fachsportlehrer im freien Beruf in Bayern"). Dies mag ausreichend
sein, aber man darf es eben nicht überschätzen.
Viele Bergführer übertreffen die Mindestanforderungen bei weitem und sind mehr als qualifiziert, aber es gibt eben
Unterschiede. Ein Vergleich der Anbieter im Hinblick auf einen konkreten Kurswunsch kann sich also lohnen.
Während in Bayern also auch die kommerziellen Kurse in den Mittelgebirgen den Bergführern vorbehalten sind, bestehen in
den anderen Bundesländern keinerlei Regelungen. Wie weiter unten ausgeführt wird, können Einsteigerkurse, welche ausschließlich
an künstlichen Kletteranlagen ausgeführt werden, nicht empfohlen werden. Somit wird die Schar der in Frage kommenden Anbieter
wieder recht übersichtlich. Bei den Ausbildern von kommerziellen Anbietern (wie auch von Kletterhallen) handelt es sich oft um
Aushilfen (meist Studenten), welche nicht im geringsten über die erforderliche Erfahrung und leider oftmals auch nicht über
die notwendigen Kenntnisse verfügen. Leider verhält es sich so auch bei vielen ehrenamtlich tätigen Übungsleitern. Der
Übungsleiterschein des entsprechenden Verbandes ist diesbezüglich nicht besonders aussagekräftig, zu sehr wurden in der
Vergangenheit die Anforderungen gesenkt, um den Klettersport zu "fördern". Da in den alpenfernen Gegenden naturgemäß auch
die Anzahl der Bergführer äußerst gering ist, bleibt nur ein intensiver Vergleich der örtlichen Anbieter oder den
Kurs mit dem nächsten Urlaub zu verbinden.
Durch das Stellen von Fachfragen läßt sich auch für den Laien, welcher sich mittels Literatur vorher informiert hat,
relativ schnell die Spreu vom Weizen bei den Anbietern trennen.
Obwohl keine besonderen körperlichen Voraussetzungen zu Beginn gefordert sind, empfiehlt es sich trotzdem neben
einem leichten Lauftraining zur Steigerung der Ausdauer durch Gymnastik die Beweglichkeit und Dehnfähigkeit zu
erhöhen. Je weniger man sich nunmal um seine körperlichen Beschwerden kümmern muß, um so intensiver kann man sich
den Kursinhalten widmen. Zudem ist es gerade beim Bergsteigen wichtig seine eigenen Leistungsgrenzen zu kennen.
Dies gilt mit steigendem Alter um so mehr.
Weiterhin empfiehlt es sich, sich auch theoretisch auf den Kurs vorzubereiten. Durch das Vorablesen geeigneter
Fachliteratur läßt sich das vom Ausbilder Gesagte schneller einordnen und man kann durch gezieltes Fragen ein
Optimum an Information für sich gewinnen.
Wem dieser Aufwand zu groß erscheint, sollte sich verdeutlichen mit welchem finanziellen und zeitlichen Aufwand ein
solcher Kurs für ihn verbunden ist.
Je nach Interesse bieten sich verschiedene Grundkurse an. Ein Basiskurs im Sportklettern, alpinen Felsklettern oder
Houchtourengehen.
Leider werden heutzutage von vielen kommerziellen Anbietern Kurzausbildungen von wenigen Stunden angeboten. Dies liegt
zum einen daran, daß z.B. das Toprope-Klettern in der Kletterhalle (soweit die Seile vom Betreiber bereits ordnungsgemäß
angebracht sind) gerade einmal die Kenntnis eines Anseilknotens sowie das Wissen um die Bedienung des jeweiligen
Sicherungsgerätes voraussetzt. Zum anderen fordert die Kundschaft einen möglichst schnellen und kostengünstigen
Einstieg in das Klettern, denn schließlich will man "Spaß haben". Hierbei wird leider übersehen, daß bei ungünstigen
Konstellationen plötzlich wesentlich mehr an Können gefordert sein kann. Aus dem Spiel wird dann plötzlich bitterer Ernst.
Des weiteren neigen der Erfahrung nach Personen, welche solche "Kurzkurse" besucht haben und quasi "erfahren" haben, daß die
Sicherungstechnik doch ganz einfach ist, die Gefahren bei weitem zu unterschätzen. Sie haben aufgrund der mangelhaften Ausbildung
nicht die geringste Vorstellung über
mögliche Gefahren. Wie sollten sie diese auch haben? Fehler im Klettersport enden aber leider oft tödlich.
Ein guter Ausbildungskurs muß daher nicht nur umfassend sein, sondern auch in erster Linie das Gefahrenbewußtsein schärfen.
Ausbilder, welche den Kletterspaß in den Vordergrund stellen und die schnöde Sicherungstechnik am Rande behandeln, tun
ihren Klienten nicht nur keinen Gefallen, sie gefährden sie zudem.
Grundanforderung an einen ausgebildeten Kletterer muß die Fähigkeit sein, eine Route eigenständig und ohne besondere
Hilfsmittel (z.B. eingehängte Seile) zu begehen, und mit den möglichen einzurechnenden Schwierigkeiten fertig zu werden.
Somit ist das Beherrschen von Vor- und Nachstieg ebenso notwendig wie eine hinreichende theoretische Ausbildung in Bezug
auf Ausrüstung und mögliche Unfallgefahren.
Könnte hier die Ausbildung für die Halle enden? Vielleicht, aber zwei
Sachen sprechen dem entgegen. Erstens ist die Gefahr, daß der Kletterer den "Schutzraum" der künstlichen Kletteranlage
verläßt und mit den dann zu geringen Kenntnissen sich im Mittelgebirge versucht, zu groß - schließlich braucht er ja auch
dort, solange alles gut läuft, nicht mehr zu wissen. Zweitens wird der Kletterer nicht gerade zur Eigenverantwortlichkeit
"erzogen", wenn er sich nicht selbst auch mit dem Absichern der Route und dem Improvisieren bei Problemlagen beschäftigt.
Somit ergeben sich folgende Kursinhalte und Anforderungen:
Sobald die wesentlichen sicherungstechnischen Inhalte "sitzen", kann man sich den möglichen Bewegungsformen und Grundzügen
der Trainingslehre widmen.
Ein solcher Kurs kann nicht unter 5 Tagen a 8 Stunden durchgeführt werden und muß aufgrund der Inhalte zumindest
zum Teil im Mittelgebirge stattfinden. Die Teilnehmerzahl sollte 6 Personen nicht überschreiten.
Im Vergleich zu einem Sportkletterkurs liegt bei einem Kurs über alpines Felsklettern der Schwerpunkt etwas
anders, obwohl natürlich die Techniken und Methoden des Sportkletterns sich im alpinen Felsklettern wiederfinden,
handelt es sich nicht um einen erweiterten Kurs.
Aufgrund der in einem Einführungs- oder Grundkurs begrenzten Zeit kann nicht alles behandelt werden und
da die Sicherheit an erster Stelle steht, müssen zugunsten der Themen Tourenplanung, alpine Gefahren, Wetter
und Orientierung die Bereiche Bewegungsformen und Trainingslehre vernachläßigt werden.
Inhalte:
Die Kursdauer sollte ebenfalls 5 Tage a 8 Stunden nicht unterschreiten. Die maximale Teilnehmerzahl beträgt 5.
Basiskurs Hochtourengehen
Auch wenn der Schwerpunkt von Hochtourengeher - wie der Name schon sagt - auf dem Gehen und nicht dem Klettern
liegt, so muß ein Hochtourengeher doch sicherungs- und bewegungstechnisch das Klettern beherrschen. Nicht wenige
Hochtouren besitzen klettertechnische Schwierigkeiten. Zudem ist die Sicherungstechnik auf Gletschern,
absturzgefährdeten Graden und in Steilflanken in vielen Punkten mit der des Kletterns identisch. Besondere
Einweisung bedarf natürlich der Umgang mit Steigeisen und Eisgeräten.
Inhalte:
Die Kursdauer sollte ebenfalls 5 Tage a 8 Stunden nicht unterschreiten. Die maximale Teilnehmerzahl beträgt 6.
Ist der erste Kurs erfolgreich abgeschlossen und somit der Einstieg geschafft, muß das Erlernte natürlich weiter
eingeübt werden. Es ist schon häufig vorgekommen, daß Kletterer nach dem Kurs eine längere Zeit nichts
unternommen haben, um dann festzustellen, daß sie elementare Knoten nicht mehr beherrschten. Die Routine fehlte
eben. Auch von ausreichender Erfahrung kann unmittelbar nach einem Kurs bei weitem noch nicht gesprochen werden.
Der oben erwähnte erfahrene Kletterpartner ist also nun am Zug. Aber wo findet man einen? Beim Sportklettern
ist dies noch einfach zu beantworten. In den Klettergärten bzw. heutzutage in den Kletterhallen. Auch Vereine
können helfen, tun dies aber oft nicht, schließlich findet auch der Vereinssport an besagten Kletteranlagen
statt. Vorteilhaft ist es sich einer größeren Gruppe anzuschließen. Um den Anschluß zu finden, können natürlich
schwarze Bretter oder das Internet helfen, aber oftmals ergibt sich dies auch quasi von alleine. Nichts ist
auffälliger beim Klettern bzw. Bouldern als ein Anfänger. So habe auch ich in der Vergangenheit immer wieder
Anfänger unter meine "Fittiche" genommen, genauso wie ich selber zu Beginn von erfahrenen Kletterer gefördert
wurde.
Mit Glück gelangt man so auch an einen erfahrenen Bergsteiger, mit welchem gemeinsame Bergtouren in Angriff
genommen werden können. Wenn nicht, so bleiben einem nur Vereine übrig. Wobei man sich vorher erkundigen sollte,
ob der entsprechende Verein in der gewünschten Richtung auch wirklich aktiv wird.
Für den ersten Zugang bzw. für die Kursvorbereitung sind folgende Bücher empfehlenswert. Wer sich nur für das Sportklettern interessiert, sei auf die letzten drei Bücher verwiesen.